Was ist Freilernen?

Was sind Freilerner?
Unter „Freilerner“ verstehen wir Menschen, die sich ohne Bindung an eine Schule oder an eine andere Bildungsinstitution selbstbestimmt und selbstorganisiert bilden. Was in vielen Ländern selbstverständlich ist, nämlich die Möglichkeit, seine Persönlichkeit auf diese Art frei zu entfalten, widerspiegelt lediglich die Grundsätze einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft und ist aus Respekt vor der Menschenwürde geboten. Was andernorts anerkannt und erfolgreich praktiziert wird, ist in Deutschland, wo junge Menschen im Alter von 6 bis 18 Jahren einem staatlichen Schulbesuchszwang unterworfen werden, (noch!) grundsätzlich gesetzwidrig.
Ist Bildung ohne institutionalisiertes Lernen möglich?
In Deutschland, wo die meisten Menschen nunmal verschult wurden, erscheint die Schule eine Selbstverständlichkeit, für manche sogar die einzig vorstellbare
Form, Bildung zu erwerben, ein angemessenes Sozialverhalten zu lernen und die akademischen sowie sozialen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu
erlangen, ohne die ein erfolgreiches Dasein in dieser Gesellschaft gar nicht möglich sein soll. Sicherlich ist diese Einschätzung darauf zurückzuführen, dass diemeisten Menschen nichts anderes kennengelernt haben. Dennoch zeigen die Erfahrungen in anderen Ländern und Kulturen eindeutig, was im Übrigen auchvielfältige Forschungsergebnisse über diese Bildungsform durchaus bestätigt haben: ohne Schule können sich Menschen jeden Alters – so auch Kinder undJugendliche! – durchaus umfassend und tiefgehend bilden. Würde dies endlich zur Kenntnis genommen und anerkannt, hätte dies zwei naheliegende Konsequenzen:

    • Tausenden von Menschen würde ein anerkannter Ausweg aus ihrer verhängnisvollen Situation geboten;
    • unsere Vorstellung von Bildung würde sich auf lange Sicht grundlegend ändern.

Welche Gründe führen zum Freilernen?
Weshalb werden einzelne junge Menschen oder ihre Familien zum Freilernen veranlasst? Für viele erweist sich diese Bildungsform – im Gegensatz zu anderen, institutionalisierten Formen – als besser geeignet; für andere war die Institution Schule ein Ort von schlechten Erfahrungen: vielleicht weil ihren Bildungsbedürfnissen nicht entsprochen wurde, sie keine angemessene Unterstützung oder geeignete Herausforderung erfuhren; vielleicht weil sie da entweder über- oder unterfordert waren oder weil sie unter Ausgrenzung, Peer-Pressure oder sogar Mobbing gelitten haben – nicht selten mündet diese Erfahrung in eine Schulangst oder eine Schulverweigerung.

Seltsam genug: Bei Schulverweigerung werden im Allgemeinen deren Gründe nicht im System selbst gesucht, sondern zumeist bei der betroffenen Person, die unter Schulangst leidet, oder in ihren Familienbeziehungen. In wenigen Fällen können solche Faktoren zwar eine Mitursache sein, doch wurzelt eine zur Schulverweigerung führende Angst nie ausschließlich dort. Doch das Kriminalisieren des „renitenten Kindes“ bewirkt immerhin, dass das System als solches nicht in Frage gestellt wird. Das „System Schule“ gilt als normativ gut – und wer es infrage stellt als „abnorm“ und daher problembehaftet, sprich: therapiebedürftig.

Dabei dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, was auch die neurobiologischen Erkenntnisse der letzten Jahre immer wieder aufs Neue bestätigen: Zwang ist gewiss keine geeignete Voraussetzung für Lernen. Wieso wird es trotz besserem Wissen dem Staat erlaubt, per fragwürdiger Gesetze Millionen junger Menschen über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren regelmäßig in die Schule zu zwingen?